Presse
 

Drogen im Jugendzentrum. Strafe, Absolution oder ist doch ein dritter Weg besser?


November 2006

Angesichts von Nachrichten über die Untersuchung eines Jugendzentrums durch die Ordnungskräfte, die zur Festnahme einer Gruppe von Jugendlichen wegen des Konsums psychoaktiver Substanzen geführt hat, findet man sich zwischen zwei Positionen wieder: soll man die Sache banalisieren und sie als jugendliche Dummheiten abtun oder soll man sie verfolgen und verurteilen.
Hierzu wollen wir einige Überlegungen anstellen: welche Rolle und Identität haben Jugendzentren, was bedeutet “Erziehung zu Legalität”, welche Rolle sollen die Bedürfnisse der Jugend spielen, und wie gestaltet sich oder wie gestalten wir die Beziehung zwischen den Jugendlichen und der Erwachsenenwelt?
Die Jugendzentren können ein sehr wichtiger Ort für Jugendliche und für die Gesellschaft im Allgemeinen sein, da sie ein Angebot sind, für die sich ein Jugendlicher frei entscheiden kann. Man ist nicht gezwungen ein Jugendzentrum aufzusuchen, man geht aus freien Stücken dorthin.
Der Jugendliche bringt in das Zentrum sein ganzes Ich, mit all seinen vielfältigen Möglichkeiten aber auch seinen Problemen und Unsicherheiten, die besonders in diesem Entwicklungsstadium eine große Rolle spielen.
Und genau hier gewinnt die Beziehung zwischen den Jugendlichen und den Erziehern der Strukturen an Bedeutung. Die Aufgabe der Erwachsenen (professionelle Angestellte oder nicht) erschöpft sich nämlich nicht in der Organisation von Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten, sondern ist es, die Jugendlichen auf ihrem Entwicklungsweg zu begleiten.
Ein Schritt dieses Wegs ist die Erziehung zur Legalität. Der Respekt vor Regeln, Normen und Gesetzen ist ein unabdingbares Konzept eines Jugendzentrums, das dazu beitragen will, die Jugendlichen zu aktiven Bürgern zu erziehen, die Ethik der Selbstverantwortung zu fördern. und die Schaffung eines sozialen Kontextes zu unterstützen, der den Staat und die Regeln des bürgerlichen Zusammenlebens begünstigt.
All dies vermittelt man nicht durch Lektionen, in denen man versucht den Geist des Jugendlichen zu erhellen und von der Richtigketi eines Verhaltens zu überzeugen, sondern nur durch eine bedeutungsvolle erzieherische Beziehung, in der der Jugendliche realistisch mit all seinen Talenten und seinen Problemen wahrgenommen wird. Das Risiko, dass der Jugendliche sich auf unrechtmäßige Art verhält ist dennoch groß. Das Jugendzentrum besitzt keine Zauberformel mit der man Probleme weghext, aber es kann sich als eine nützliche Resource erweisen. Es ist ein Ort, wo Wohlbefinden möglich ist auch wenn manchmal die Linie zwischen Wohlbefinden und Unwohlsein, zwischen Normalität und Devianz sehr schmal ist.

In vielen Situationen ist es notwendig, von Fehlern und Regelverletzungen auszugehen um ein Nachdenken über den Sinn betimmter Normen anzuregen und die Folgen eines Verhaltens für sich selbst und für die anderen klar zu machen, bzw. über den Einfluß, den bestimmte Lebensweisen auf die ganze Existenz haben.

Wenn man die Jugendzentren unter dieser Perspektive betrachtet, wird es vielleicht leichter sich von dem Vorurteil zu lösen, das sie als Störfaktor und Bruststätte für flegelhaftes Benehmen kennzeichnet.
Es wäre außerdem schön, wenn sich die öffentliche Meinung, außer dem richtigerweise eingeforderten gegenseitigen Respekt, auch um die Fähigkeit bemühen würde , sich um die Probleme und Bedürfnisse der anderen zu kümmern,. Oft werden in den Jugendzentren Themen und Probleme angesprochen, die aus verschiedensten Gründen in den Familien und Schulen nicht in Angriff genommen werden.

Halten wir also fest, dass die Jugendzentren wichtige Resourcen für das gesamte Territoium sind. Sie sollen nicht unangreifbare Erfahrungsräume sien oder Orte, an denen man machen kann was man will, auch können sie keine Wundermittel sein, aber sie sind eine Chance –die auch kritisiert werden darf, wenn diese Kritik konstruktiv ist und den Jugendlichen beibringt, wie man einen Konflikt sinnvoll austragen kann.
Es geschieht nicht selten, dass die Jugendlichen für ihr Verhalten strenger als die Erwachsenenen beurteilt werden.
Man denke nur an das Thema Alkoholismus im Erwachsenenalter und wie hierbei der Alkohol als legales (aber dafür nicht minder gefährliches) Rauschmittel sozial akzeptiert ist.
Auch die Art und Weise wie man Information vermittelt kann dazu beitragen, Vorurteile zu entkleiden und ein allgemeines Bewußtwerden der Probleme einzuleiten
Wieviel Platz nehmen positive Aktivitäten im Jugendzentrum in den Nachrichten ein? Warum spricht man hauptsächlich über negative Aspekte wenn es um die Jugend geht?
Wir haben ein kleines Experiment angestellt: wir haben -mit einigen Schwierigkeiten – die Titel, die sich häufig in Zeitungen finden “Drogenparty im Jugendzentrum” oder “Die Bronx in Bozen” mit anderen Titeln, passend zu den Artikeln ersetzt: “Ein Problem, das man gemeinsam lösen muss”oder “die Hilfe des ganzen Viertels ist gefragt”. Aber man ist oft vom Negativen angezogen und reißerische Titel bewegen eher zum Lesen. Allerdings drücken sie der Angelegenheit auch ihren unbewußten Stempel auf, der nur schwer zu entfernen ist – deshalb könnte und sollte man vielleicht ab und zu einen Titel wie “Wie erziehen wir?Gemeinsam erziehen wir!” riskieren.
Und es ist wahr, dass unsere Aufmerksamkeit auf Schreckensnachrichten “gepolt” ist, aber gerade dewegen sollte eine kulturelle Umkehr erfolgen, die uns hilft die Stigmatisationen zu vermeiden und Probleme in ihrer Komplexität GEMEINSAM zu analysieren und sie GEMEINSAM anzugehen. Vielschichtige Probleme erfordern vielschichtige Überlegungen und Antworten.

Studienzentrum “Guido Antonin”
Verein La Strada – Der Weg
 
 

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