Presse
 

Jugendliche und Drogen: ein Gedanke

Mai 2007

Die zur Zeit andauernde Debatte über Vermarktung eines Getränks auf der Basis eines Cannabisextraktes auch in Südtirol, legt nahe einige Überlegungen zur Beziehung von Jugendlichen und den sogenannten leichten Drogen anzustellen.
Aus den zuletzt in den Medien veröffentlichten Berichten geht eine zunehmende Sorge auf Seiten der Erwachsenen hervor, die vorallem den Missbrauch von Cannabisprodukten durch immer jünger werdende Kinder und Jugendliche beobachtet.

Zunächst muss klar gestellt werden, dass nicht die Droge an sich, sondern der in ihr enthaltene Prozentsatz an halluzinogener Substanz gefährlich ist. So enthielten in den 80er Jahren Haschisch und Marihuana im Durchschnitt 4% dieser Substanz, wohingegen heute durch Genmanipulation eine Konzentration von bis zu 20% erreicht wird. Aufgrund dieser hohen Konzentration kann diese Droge heute zu sehr viel größeren Mengen “gemischt” werden und der Dealermarkt zieht einen immensen Vorteil daraus. Zum besseren Verständnis kann man den Vergleich zum Alkohol anstellen: der Prozentsatz der gefährlichen Substanz in Drogen entspricht dem Alkoholgehalt der Getränke.
Ein zweiter Punkt, der hier geklärt werden soll ist folgender: Die Gleichung LEICHT=UNGEFÄHRLICH geht nicht auf. Auch sogenannte leichte Drogen, legale wie Alkohol und Zigaretten oder illegale wie Cannabis HABEN Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit und können Abhängigkeit schaffen. Und über eben dieses “können Abhängigkeit schaffen” sollte man nachdenken. Man kann Cannabis sicherlich – wie auch Alkohol – nur manchmal und dann maßvoll genießen ohne gleich davon abhängig zu werden. Die gleiche Substanz kann aber abhängig machen. Wenn der Gebrauch kein Genuß mehr ist, wird er schnell zur alltäglichen Gewohnheit oder ein Mittel um die persönlichen Probleme zu bewältigen. Auch beim Alkohol lässt sich diese Unterscheidung zwischen einem bewußt genossenen Glas und dem Alkoholmissbrauch vornehmen; wie es den Raucher gibt, der ab und zu eine Zigarette genießt und demjenigen, der Tag für Tag eine bestimmte Anzahl rauchen muss.
Ein anderer oft wiederholter Gemeinplatz ist, dass wer regelmäßig Cannabis konsumiert früher oder später zu harten Drogen übergehen wird. Dies kann absolut nicht belegt werden! Es gibt im Gegenteil viele Menschen, die regelmäßig Alkohol oder Cannabis konsumieren aber keine anderen Drogen nehmen. Es ist jedoch richtig zu betonen, dass sowohl Alkohol als auch Cannabis eine Brückenfunktion haben können auf dem Weg zu anderen Drogen.



Dies geschieht aus unterschiedlichen Gründen: Alkohol senkt die Hemmschwelle und man ist daher risikofreudiger und weniger vorsichtig; jemand, der Cannabis konsumiert kommt hingegen mit der Welt des illegalen Konsums von Drogen in Kontakt und es erhöht sich so das Risiko auch andere Substanzen zu probieren wenn beispielsweise einmal kein Cannabis zur Verfügung steht.
Es ist kein Zufall, dass die Phase des Experimentierens mit diesen Substanzen meistens in der Vorpubertät oder in der Pubertät beginnt, da es sich um eine besonders kritische Zeit handelt in der die Persönlichkeit der Jugendlichen noch nicht so gefestigt ist und das Verlangen groß ist, Grenzen zu überschreiten um sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen.
Ein anderer Risikofaktor ist es, das Experimentieren mit Drogen als Entwicklungsaufgabe der Jugendlichen auf dem Weg ins Erwachsenenleben zu sehen. Auch hierbei sind die Paralellen zum Alkohol klar: denken wir nur an das erste Mal wenn ein Kind Alkohol angeboten bekommt mit dem Kommentar “...ein Schlückchen in Ehren...” oder “...ein Gläschen ist gesund!”, etc, etc
Trotzdem gibt es eine klare Linie zwischen der Legalität von Alkohol und Nikotin auf der einen Seite und anderen leichten Drogen.
Dies ist ein sensibles und interessantes Thema im erzieherischen Umgang zwischen Erwachsenen und Jugendlichen. Es ist notwendig, klar zu definieren was legal und was illegal ist und welche Konsequenzen illegales Verhalten für Täter und Opfer nach sich zieht. Mit Jugendlichen über den Respekt vor den Gesetzen zu sprechen ist nicht leicht, aber es ist ein Thema, das man nicht vernachlässigen darf. Man darf auch nicht glauben, dass Jugendliche die Idee der Legalität an sich ablehnen; das hieße ein negatives Bild von Jugendlichen im Allgemeinen zu Grunde zu legen, was wiederum einem gängigen Vorurteil der Erwachsenen entspricht. Auch das Wort Krise wird oft mit der Adoleszenz in Verbindung gebracht. Es stammt aus dem Chinesischen und setzt sich aus den beiden Bildzeichen “Gefahr” und “Chance” zusammen. Aus Angst tendieren Erwachsene manchmal dazu, nur den ersten der beiden Begriffe zu sehen wohingegen man erkennen sollte, dass Jugendliche Menschen sind mit unglaublichen Möglichkeiten sich zu entwickeln und zu wachsen, auf der Basis von Entscheidungen, Erfahrungen und Beziehungen.
Man sollte also das Thema Drogen in der Pubertät nicht ausschließlich als ein Problem ansehen, das eingedämmt und kontrolliert werden muss, sondern als ein Diskussionsthema zwischen Erwachsenen und Jugendlichen mit vielen zu ergründenden Aspekten - immer auf der Grundlage, dass die Pubertät kein Problem oder Risiko darstellt, sondern ein positiver, wenn auch nicht leichter Prozess auf dem Weg ins Erwachsenenleben ist.

Kehren wir zum Thema des Cannabisgetränks und dem Aufdruck auf der Dose zurück : trotz der äußerst geringen Menge von aktiver Substanz im Getränk (0,01%) riskiert man damit unterschwellig eine falsche Botschaft über den korrekten Umgang mit Cannabis zu vermitteln: Cannabis ist, ob es uns gefällt oder nicht, bis heute eine illegale Droge und es handelt sich, ob es uns gefällt oder nicht, um eine Substanz, die negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat.
Wir finden uns in einer Marketingkampagne wieder, die – ohne sich um die ethischen Prinzipien zu kümmern – sicherlich ihr Ziel erreichen wird; sie wird den Organisatoren und Vertreibern des Getränks viel Geld einbringen. Im Handel gilt oft das Sprichwort “der Zweck heiligt die Mittel”, für die Erziehung genau das Gegenteil.
Es wäre wünschenswert, wenn diese beiden Bereiche sich öfter treffen würden um den Handel lehrreicher zu machen und um die Welt dr Erziehung zu lehren, was der Handel über Motivation und das Erreichen vieler Leute weiß.


Studienzentrum “G.Antonin”
Verein La Strada - Der Weg
 
 

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