Presse
 

Sind Trainer und Leiter auch Erzieher?

April 2007

Was heißt es Trainer oder Leiter eines Sportvereins zu sein?
Zu allererst hat man die Verantwortung für eine Gruppe von Personen, seien es nun Jugendliche oder Erwachsene. Und oft hört man bei den Trainern: “...in unserer Rolle als Trainer sind wir auch Erzieher”... und anschließend unendliche Debatten über die pädagogischen Prinzipien des eigenen Sportvereins.
Lasst uns diesem Problem auf den Grund gehen und die oftmals zu schnellen und oberflächlichen Aussagen vertiefen.
Die erzieherischen Aufgaben eines Trainers ebenso wie die eines Leiters können nicht geleugnet werden. Sie können nicht nur die Technik einer Sportart vermitteln oder bürokratische Verwaltungsaufgaben übernehmen ohne sich auf die menschlichen Bedürfnisse ihrer Mitglieder
zu besinnen.
Man muss die Rolle des Trainers allerdings von der eines professionellen Erziehers unterscheiden, der eine spezifische Ausbildung genießt und in verschiedensten Bereichen des sozialen Sektors eingesetzt werden kann.
Die erzieherische Arbeit von uns Trainern und Leitern basiert vor allem auf der Kraft des positiven Beispiels. Wir müssen uns nicht in die Psychologie der Jugendlichen hineindenken sondern mit unserem Verhalten, mehr noch als mit Worten, die fundamentalen Werte des Sports wie Respekt vor der Person, fairer Wettbewerb, Ehrlichkeit und Solidarität vorleben.

Hier einige praktische Beispiele um von der Theorie zur harten Wirklichkeit überzugehen:
Wenn ein Trainer seine Leute schlecht behandelt und sie während des Trainings anschreit – wie werden sich diese Jugendlichen wohl gegenüber den gegnerischen Spielern und dem Schiedsrichter verhalten?
Wenn wir den Jugendlichen auftragen, den Gegner auf jeden Fall zu stoppen – wie wird das Fairplay in ihren Köpfen aussehen?
Wenn wir mit Verachtung von den Gegnern sprechen – wie viel Achtung wird ihnen von unseren Spielern auf dem Spielfeld entgegengebracht werden?
Wenn wir Rechthaberei, Gewalttätigkeiten und Pflichtverletzungen in den Umkleideräumen akzeptieren – welche Art von Beziehung zwischen den Jugendlichen fördern wir: Beziehungen, die auf Respekt basieren oder Beziehungen, in denen das Recht des Stärkeren herrscht?
Wenn wir nur oder zu sehr die schlechten Leistungen in den Vordergrund stellen und hingegen vergessen jeden einzelnen zu bestärken und ihm Mut zu machen – wie werden die Jugendlichen den Sport erleben? Vielleicht als demotivierend, als abwertend oder langweilig?
Die Antworten auf diese Fragen sind eigentlich simpel, aber sie helfen uns uns unserer Macht innerhalb einer Sportgruppe bewußt zu werden: die Jugendlichen identifizieren sich mit ihren Trainern und Leitern und /oder akzeptieren sie als Vorbilder.

Jeder von uns müsste sich also die einfache Frage stellen: identifiziere ich mich mit den Grundwerten des Sports?

Wenn die Antwort ja lautet, werden mein gesunder Menschenverstand und meine Erfahrung mir helfen, die Grundwerte vor den Jugendlichen zu “leben”. Falls ich Hilfe brauchen sollte, kann ich mich an die professionellen Erziehungsberatungsstellen wenden.
Wenn die Antwort nein sein sollte, wäre es besser sich ein anderes Hobby zu suchen: Ich riskiere nicht nur eine Atmosphäre der Gewalt weiterzugeben sondern auch durch die Nichtbeachtung der Regeln den Sport immer weiter zu zerstören.



Studienzentrum “Guido Antonin”
Verein La Strada – Der Weg
 
 

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